China, USA – und wo bleibt Europa?

Ein Foreign Policy Lunch mit dem China-Experten Eberhard Sandschneider

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Foto: Businessfotografie Inga Haar

China ist der große neue Akteur auf der internationalen Bühne. Spätestens im Handelsstreit mit den USA bricht sich ein neuer Dualismus Bahn, der – bei allen Unterschieden – an die bipolare Weltordnung des Kalten Kriegs erinnert. Die Frage lautet: Wo positioniert sich Europa im Ringen zwischen den beiden Großmächten?

Im Gespräch mit Kirsten Giering, stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Internationale Politik und Wirtschaft im VBKI, ging Eberhard Sandschneider beim Foreign Policy Lunchs des VBKI dieser Frage nach. Der Professor für Politik Chinas und Internationale Beziehungen an der FU Berlin deutete das chinesische Streben nach mehr Einfluss zunächst einmal als natürliche Entwicklung. Es sei nicht verwunderlich, dass ein derart prosperierendes und wachsendes Land auf der Weltbühne Ansprüche anmeldet und eine Tendenz zur Expansion hat. In allen drei relevanten Dimensionen – politisch, wirtschaftlich, militärisch – sei China darauf bedacht, seine Position weiter auszubauen und zu stärken.
 
Wie soll Europa darauf reagieren? Tatsächlich fehle der Europäischen Union bis heute mit Blick auf China eine konsistente Strategie. Zwar habe es immer wieder Versuche gegeben, eine gemeinsame Strategie aufzulegen. Die Bemühungen seien aber immer wieder an den unterschiedlichen Interessenlagen der einzelnen Mitgliedstaaten gescheitert. In Ungarn und Griechenland zum Beispiel ist der chinesische Einfluss laut Sandschneider aufgrund enger wirtschaftlicher Verflechtungen inzwischen so groß, dass eine konfliktive Haltung gegenüber China praktisch ausgeschlossen ist.
 
Zum Schluss ein ernüchternder Blick in die Geschichte: Vergleichbare Machtkonstellationen, so der Professor, hätten in 16 von 18 Fällen in eine kriegerische Auseinandersetzung gemündet. Bereits heute sei das chinesisch-amerikanische Verhältnis so angespannt, dass schon geringe Anlässe zu einer raschen Ausweitung des Konflikts führen könnten.