Brexit? Eine englische Inselbegabung...

Foreign Policy Lunch mit WELT-Korrespondent Kielinger

WELT-Korrespondent Thomas Kielinger beim Foreign Policy Lunch des VBKI
Foto: Businessfotografie Inga Haar

Der britische Premier will die Verträge mit der EU neu diskutieren und sein Volk befragen. Aber was geschieht, wenn die EU seine Wünsche ausschlägt? Was, wenn Großbritannien aus der EU austritt? Beim Foreign Policy Lunch des VBKI sprach der London-Korrespondent der WELT über einen möglichen Brexit…

Wenn der britische Premier über die britische Mentalität spricht, klingt das so: „Unsere Psychologie ist von unserer Geografie geprägt. Wir besitzen den Charakter einer Insel-Nation – unabhängig, geradeheraus und leidenschaftlich in der Verteidigung unserer Souveränität. Das lässt sich so wenig ändern wie das wir die Straße von Dover trockenlegen könnten.“ In seiner Rede über Großbritanniens Beziehungen zur Europäischen Union kündigte David Cameron an, er werde bei einer Volksbefragung selbst „mit ganzem Herzen und ganzer Seele“ für ein „Ja“ stimmen; vorausgesetzt, die EU werde „das flexible, anpassungsfähige und weltoffenen Europa“ sein, für das er kämpfe.

Dass England aus der EU ausscheidet, ist so wahrscheinlich, wie noch nie zuvor. Thomas Kielinger, London-Korrespondent der WELT, erklärte beim Foreign Policy Lunch im Le petit Felix, Englands Distanz zum Kontinent. Die, so Kielinger, sei historisch gewachsen. Bereits Heinrich VIII. (1491 bis 1547) ließ sich zur Thronbesteigung beraten, seine Interessen nicht auf die „Terra firma“ zu legen. Kielinger: „Hinter der Frage, die David Cameron mit dem Referendum losgetreten hat, steht eine lange Tradition der Ambivalenz in den anglo-europäischen Beziehungen. Sie wird heute noch verstärkt durch die Krise der EU: mangelndes Wachstum, der Sprengsatz Migration, die Möglichkeit neuer Grenzabschottungen.“

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1975 gab es schon mal ein Referendum zum Verbleib Großbritanniens in der europäischen Gemeinschaft. Damals ging es zwei zu eins dafür aus. Dieses Mal sieht es deutlich knapper aus, sagt Kielinger. „Der Knackpunkt ist die Migration.“ 680.000 Menschen seien allein im vergangenen Jahr auf die Insel gekommen – ohne Flüchtlinge. England sei ein Opfer seiner eigenen Attraktivität, so Kielinger. Die Folgen eines Brexits seien indes unabsehbar: Alles, was man etwa zu den Auswirkungen auf die Arbeitsplätze höre, seien schlicht Behauptungen. Aber: „Der Brexit wäre ein Paradigmenwechsel für Großbritannien.“

„Und für Europa…“, ergänzte Udo Marin. Der Geschäftsführer des VBKI, der die Veranstaltung moderierte, dankte Kielinger für einen insgesamt doch „optimistischen Ausblick“, den er nicht ganz teilen könne. Marin stellte eine weitere Einladung in einem Jahr in Aussicht: „Dann können wir schon mehr wissen.“

Mit Europa verbunden, nicht zugehörig...

„We have our own dream and our own task. We are with Europe, but not of it. We are linked but not combined.“ Winston Churchill

„Wir haben unseren eigenen Traum und unsere eigene Aufgabe. Wir sind Nachbarn Europas, aber wir sind kein Teil davon. Wir sind mit Europa verbunden, aber wir gehören nicht dazu.“ Winston Churchill

Bilder der Veranstaltung finden Sie hier...