Berlin Health City - wie geht's weiter?

Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci zu Besuch

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Foto: Businessfotografie Inga Haar

Das Label Health City trägt Berlin zu Recht. Berlin ist dabei, sich als einer der führenden Standorte der Gesundheitswirtschaft zu positionieren.

Dass der Weg vom Cluster über die Zukunftskommission hin zur Healthcapital ein langer war und kein einfacher, daran erinnerte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci bei ihrem Besuch des Forums Gesundheit beim VBKI am 6. November 2019. Heute ist die Gesundheitswirtschaft in der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg Garant für eine Gesundheitsversorgung auf höchstem Niveau sowie Motor für Wachstum und Beschäftigung. Mehr als 370.000 Menschen sind in diesem Bereich beschäftigt und erwirtschaften im Jahr 2016 einen jährlichen Umsatz von etwa 23 Milliarden Euro.
 
 
Und so lautete die Frage, was Wirtschaft und Politik gemeinsam tun können, um diese Erfolge zu verstetigen und weiter zu entwickeln. Geprägt ist Berlin durch einen beeindruckenden Mix von etablierten Konzernen, einem innovativen Mittelstand und einer Start-Up-Szene, die sich im Themenfeld Digital Health tummelt. Eng verwoben mit der beeindruckenden Wissenschaftslandschaft und einer stark ausgeprägten Spitzenmedizin, mit der Charité als Europas größtes Universitätsklinikum, sowie den weiteren in der Hauptstadtregion angesiedelten Kliniken. Das Potential ist riesig und dennoch könnte, so etliche Teilnehmer der Runde, Wissenschaft und Gesundheitswirtschaft strukturierter vernetzt sein – zum Wohle der Patientinnen und Patienten.
 
Senatorin Kalayci verwies dabei auf den „Eckigen Tisch zur Digitalisierung im Gesundheitswesen“, den sie eingerichtet hat. Dabei haben sich interessante Konstellationen und Koalitionen gebildet – zwischen Vivantes und der Charité, zwischen Sana und Helios, zwischen der AOK und der TK. Hier werde trotz allen Wettbewerbs die Zusammenarbeit gelebt. Angestrebt wird ein regionales Bündnis, das die bisherigen Insel-Lösungen überwindet.
 
Ein weiteres wichtiges Thema der Diskussion war die Pflege. Die Zahlen dazu sind erschreckend: Bis 2030 ist bundesweit mit einem starken Anstieg der Pflegebedürftigen von aktuell rund 3,2 auf 3,56 Millionen Menschen zu rechnen. Was die Pflegebedürftigen in Berlin angeht, so wird von einem Anstieg bis 2030 auf 170.000 Menschen ausgegangen. Die Nachfrage nach Pflegekräften wird sich erheblich steigern – sowohl in den Krankenhäusern, im ambulanten Bereich wie in den stationären Pflegeeinrichtungen. Schätzungen gehen davon aus, dass in Berlin bis 2030 zwischen 10.000 und 20.000 Pflegekräfte fehlen könnten. Bereits heute ist ein aggressiver Pflegemarkt entstanden, ein Markt für Leasingfirmen, die möglichen Mitarbeitern eine Vielzahl von Angeboten wie Wunschdienstplan, keine Wochenenddienste und ein höheres Gehalt präsentieren. Senatorin Kalayci hat sich dabei stark positioniert und lehnt „geleaste“ Pflegekräfte ab, nicht zuletzt zum Schutz der Patienten. Mit dem „Berliner Pakt für Pflege“ geht sie das Problem grundsätzlich an. Sie möchte attraktive Arbeitsbedingungen schaffen, die den Pflegekräften Motivation und Wertschätzung bieten und ihnen langjährig eine zufriedenstellende und gesunde Tätigkeit ermöglichen. Ihr Wunsch ist es, dass viele Berlinerinnen und Berliner diesen sinnstiftenden Beruf gerne ergreifen und möglichst auch bis zur Rente ausüben werden.
 
Nach einer Gesundheitstour mit der Senatorin Kalayci im vergangenen Jahr, endete die diesjährige Tour de Santé endete mit dem Versprechen, sich im nächsten Jahr erneut zu treffen und die Perspektiven von Wirtschaft und Politik zusammenzutragen. Und um gemeinsam an der Health City Berlin weiterzuarbeiten.