BER: Berliner Wirtschaft fordert Kapazitätserweiterung

Schönefeld-Nord weiterbetreiben, Investitionen in TXL prüfen

BER Besuch?itok=xxQonGuL
Foto: Businessfotografie Inga Haar

Berlin, 10. Dezember. Der VBKI fordert Gesellschafter und Aufsichtsrat der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH auf, die Geschäftsführung umgehend mit einer verbindlichen Erweiterungsplanung für den BER zu beauftragen. Nach konservativen Schätzungen muss dabei der Standort BER bis 2025 stufenweise die Kapazität zur Abfertigung von 45 Millionen Passagieren vorhalten. Neben den Terminalkapazitäten ist auch die bereits planfestgestellte Fertigstellung der Luftverkehrsflächen zwingend umzusetzen.

„Wir müssen die Chance nutzen, den BER nicht nur fertigzustellen, sondern ihn auch zukunftssicher weiterzuentwickeln“, sagte VBKI-Geschäftsführer Udo Marin. Die fehlenden Abfertigungskapazitäten gefährdeten am BER künftig nicht nur einen ordnungsgemäßen Flughafenbetrieb sondern behinderten auch den Zugang für neue Fluggesellschaften und Flugverbindungen. Diese sei jedoch eine wichtige Voraussetzung für eine weiterhin positive Entwicklung der Metropolenregion Berlin/Brandenburg. Die weiterhin verzögerte Fertigstellung des BER, die Neuaufstellung des Aufsichtsrates sowie eine voraussichtliche Umstrukturierung in der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH sollten als Chance begriffen werden, jetzt die richtigen Weichen zu stellen.

Bereits in diesem Jahr werden 28 Millionen Passagiere die bestehenden Flughäfen Berlin-Tegel (TXL) und Schönefeld (SXF) genutzt haben – davon 21 Millionen TXL. Dies entspricht genau der Kapazität, für die die Flughafengesellschaft am BER einen störungsfreien Betrieb zusagt. Intraplan prognostiziert bereits für 2016 – und da wird der BER noch nicht eröffnet sein – über 31 Millionen Passagiere in Berlin. Es ist daher unbestritten, dass der BER nicht ausreichen wird, um die Luftverkehre von TXL und SXF aufzunehmen.

Eine Konzentration des Luftverkehrs an einem Standort („Single-Airport-Konzept“) ermöglicht darüber hinaus, internationale Umsteigeverkehre zu generieren und abfertigen zu können. Für einen wirtschaftlichen Betrieb des Flughafenneubaus sind diese Verkehre von grundsätzlicher Bedeutung. Sollte der BER in die Funktion eines Drehkreuzes kommen, steigen die Passagierzahlen binnen weniger Jahre auf über 40 Millionen.

Daher fordert der VBKI des Weiteren:

Zukunftssicherung BER
Vor dem Hintergrund des engen Zeitfensters und eines künftig wirtschaftlichen Mitteleinsatzes sollten auch neue Varianten der Gebäudeerweiterung vorurteilsfrei bewertet werden. Dabei steht unter anderem die ursprüngliche Midfield- oder Satellitenlösung neben einer Erweiterung der vorhandenen Gebäudeinfrastruktur zur Diskussion.

Schönefeld-Nord muss weiterbetrieben werden
Im Zusammenhang mit der dringend notwendigen Kapazitätserweiterung am BER darf es keine Tabus geben – besonders wenn es darum geht, sicherlich notwendige Übergangsszenarien zu entwickeln. Eine mittelfristige Weiternutzung bestehender Terminalkapazitäten am Standort Schönefeld-Nord (heute SXF) ist aufgrund der gegebenen Verfügbarkeit alternativlos. Dieser Terminalkomplex kann erst aufgegeben werden, wenn ein Satelliten-Gebäude oder gar ein weiteres Terminal mit ausreichender Abfertigungskapazität fertiggestellt sein wird. Die Weiternutzung von SXF muss begleitet werden von dringend notwendigen Investitionen zur Instandhaltung der gebäude- und abfertigungsrelevanten Infrastruktur. Dazu gehört auch eine Anpassung der Sicherheitsmaßnahmen in der Fluggast- und Gepäckabfertigung auf einen im internationalen Luftverkehr üblichen Standard.

Flughafen Berlin-Tegel
TXL wird bis zur Eröffnung des BER die Hauptlast der Berliner Luftverkehrs schultern müssen. Selbst unter optimistischen Annahmen bedeutet dies mindestens noch 3 Jahre Flugbetrieb. Aufgrund der einschlägigen Erfahrungen aus der jüngsten Vergangenheit sollte jedoch die Flughafengesellschaft höchstvorsorglich von einem Betrieb bis 2018 oder sogar später ausgehen. Dies bedeutet, dass umgehend wie auch auf dem Flughafen Schönefeld eine kritische Bestandsaufnahme durchgeführt werden muss, darüber welche Investitionen für die „Cash Cow“ des Berliner Luftverkehrs erbracht werden müssen, um TXL bis zur Schließung technisch und operativ einsatzbereit zu halten. Ob es fehlende Parkplätze sind oder eine funktionierende Gepäckabfertigung – bei Spitzenwerten von über 100.000 Passagieren am Tag (!) in Berlin muss noch einmal Geld in die Hand genommen werden, um einem Kollaps zuvorzukommen. Der 1879 gegründete VBKI ist eine der ältesten Wirtschaftsinstitutionen in Deutschland. Mit seinen über 1.800 Mitgliedern ist der Verein eines der wichtigsten Foren der Berliner Wirtschaft. Mit vielzähligen Aktivitäten beteiligt sich der VBKI aktiv an den aktuellen Debatten über Wirtschaft, Politik und Gesellschaft in über Berlin hinaus. Der Verein engagiert sich zudem vielfältig für das Gemeinwohl, für Bildung, Wissenschaft und Kultur in der Hauptstadt.

Hier geht es zur Pressemitteilung.
Datum: Mi, 10.12.2014 - 17:41 Uhr