Air-Infarkt?

Sehnsucht der Berliner nach internationaler Bedeutung im Luftverkehr

20181029 Air Infarkt 780x366?itok=sWioLnq1
Foto: Businessfotografie Inga Haar

„Wird der Flughafen Berlin Brandenburg 2020 eröffnet werden?“ Mit diesen Worten startete der Moderator Joachim Fahrun, Chefreporter der Berliner Morgenpost, das Diskussionsforum.

Mit ihm am Tisch saßen Prof. Dr. Engelbert Lütke Daldrup, Vorsitzender der Geschäftsführung des Flughafens Berlin Brandenburg, Thomas Haagensen, Europa-Chef von der easyJet Airline und Dr. Kay Lindemann, Leiter der Konzernpolitik von Lufthansa. Unterschiedlicher könnten die beiden vertretenen Fluggesellschaften nicht sein: EasyJet hat in den letzten Jahren viel in Berlin investiert hat, sodass es nun ihre zweit größte Basis nach London Gatwick ist (37 von 300 Fliegern in Berlin). „Wir haben in Berlin investiert. Der Quellmarkt und Berlin haben sich entwickelt. Jetzt stimulieren wir überall in Europa die Nachfrage für Berlin.“ so Haagensen. EasyJet spezialisiert sich auf so genannte point-to-point Flüge.
Lufthansa hingegen hat seine Zentren in Frankfurt und München und ist für seine Langstreckenflüge bekannt. Dennoch betonte Herr Lindemann: „Lufthansa stuft Berlin nach wie vor wichtig ein.“
 
Die Referenten diskutierten über das Sommerchaos 2018, die generelle Modernisierung von Flughäfen, die ausländische Konkurrenz und selbstverständlich Tegel und BER. Viele Finger im Zuhörerraum gingen in die Höhe auf die Frage des Moderators hin, wer vom Kollaps des Flugverkehrs im vergangenen Sommer betroffen war. Aber woran lag es? Ist Tegel einfach zu alt und macht es die Infrastruktur nicht mehr mit? Ganz im Gegenteil - laut Herrn Lütke Daldrup war Berlin Tegel auf Platz 1./2. der Liste gelandet, in welcher 13 deutschen Flughäfen auf Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit bewertet wurden.Ein ausschlaggebendes Problem neben dem Unwetter sei gewesen, dass die Deutsche Flugsicherung zu wenige Fluglotsen ausbilde. Andere modernere Flughäfen im Ausland haben bessere Sicherheitstechnologien, sodass während in Frankfurt durchschnittlich 80 Leute in der Stunde die Sicherheitskontrolle durchlaufen, es im gleichen Zeitraum beispielsweise in Amsterdam 200 Leute seien können. Alle Mitwirkenden (Fluggesellschaften, Flughäfen und Politik) haben ihre Mitschuld an dem Sommerkollaps zu tragen.
 
Kann Deutschland in Zukunft mit ausländischen Flughäfen wie dem neuen in Istanbul mithalten? Wie wird man von Berlin aus pünktlich den Flughafen erreichen?  Warum verlässt man sich auf ein Single Airport Konzept in einer Hauptstadt? Wenn die Flughäfen in München und Frankfurt laut Prognosen in der 2.Hälfte der 20er am Ende seien, ist der Air-Infarkt nicht absehbar? Muss man bei der Länge der Planungsphasen in Deutschland nicht jetzt schon mit der Planung für eine Erweiterung des BER beginnen? Berlin hatte Antworten:
Airportshuttle, S-Bahn, Tegel ist zu alt um ihn weiterzuführen, etc.
Sogar auf die Frage ob es einen Plan B gibt, hatte Herr Lüdtke Daldrup eine Antwort:
 „Wir werden den Flughafen in 2020 eröffnen. Insofern haben wir auch keinen Plan B.“