Afghanistan. Ein Lagebericht.

Foreign Policy Lunch über die Widrigkeiten in Afghanistan seit dem Abzug der Internationalen Koalition

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Foto: VBKI

Die Bilder der letzten Wochen von verzweifelten Afghaninnen und Afghanen am Kabuler Flughafen gingen um die Welt - beim VBKI Foreign Policy Lunch sprachen wir mit Erich Vad, Brigadegeneral und ehemaliger militärischer Berater der Bundeskanzlerin, über die Lage vor Ort.

Dr. Erich Vad, Brigadegeneral a.D. und ehemaliger militärischer Berater der Bundeskanzlerin, sprach im hybriden Foreign Policy Lunch mit Kirsten Giering, stellv. Vorsitzende des VBKI-Ausschusses für internationale Politik und Wirtschaft, von einer äußerst schwierigen, aber gut durchgeführten Rettungsmission der Bundeswehr. Das Krisenmanagement der Bundesministerien jedoch, bezeichnete er als „katastrophal“ und stellte die Frage, inwieweit der Bund – im Hinblick auf weitere Krisen wie Corona, den Bundeswehreinsatz in Mali oder mögliche Terroranschläge – gut für die Zukunft aufgestellt sei. Bezugnehmend auf Carl von Clausewitz empfahl er, bei zukünftigen Bundeswehr-Missionen mehr auf die Definition von Ziele zu achten. Nur mit klaren Zielen sei es möglich, einen richtigen Truppenabzugs-Punkt zu finden. Dies gelte auch für den Bundeswehreinsatz in Mali.
 
Doch Vad schaut auch optimistisch in die Zukunft. Zum einen, da seiner Einschätzung nach die Taliban heute eine andere sei als 2001. Sie sei moderater und politischer, da sie auf westliche Finanzhilfen und Unterstützung im Kampf gegen den IS angewiesen sei. Zum anderen sei Deutschland – im Gegensatz zu den USA und Großbritannien – nicht als Invasor wahrgenommen. Es gäbe eine „Deutsch-Freundlichkeit“ die genutzt werden solle, um mit den Taliban im Gespräch zu bleiben und eine Zusammenarbeit auszuloten. Die USA hätten mehrere Jahre mit den Taliban verhandelt. Es bringe folglich nichts, wenn nur Deutschland die Taliban nur verteufle. Sonst würden Staaten wie China, Pakistan und Iran das entstandene Machtvakuum füllen.
 
Im zweiten Teil des Foreign Policy Lunchs sprach Tabea Klang, Mitglied im Ausschuss für internationale Politik und Wirtschaft mit der lange in Kabul lebenden Kriegsberichterstatterin Elise Blanchard. Blanchard berichtete über ihren Alltag als junge Journalistin in Afghanistan, ihre Erfahrungen in ländliche Regionen des Landes und teilte ihre persönliche Einschätzung der humanitären Lage.
 
Impressionen des Foreign Policy Lunches im Capital Club finden Sie hier »