A100-Ausbau: Investition in die Zukunft oder in die Vergangenheit?

Ein Pro & Contra von Mitgliedern des VBKI

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Seit Jahren wird in Berlin über den Weiterbau der A100 im Osten der Stadt gestritten. Jetzt hat der Bund gegen den Willen des Senats grünes Licht für das Planungsverfahren des 17. Bauabschnittes gegeben. Ein Pro & Contra von Mitgliedern des VBKI.

Pro:  

Von Klaus-Jürgen Meier, Axel Wunschel, Christian Wiesenhütter und Achim Gasper

Berlin ist nicht Bullerbü, Berlin ist Millionenstadt und Hauptstadt. Und als solche braucht Berlin ein gut ausgebautes Straßenverkehrsnetz. Ein leistungsfähiger ÖPNV – ebenfalls unabdingbar – reicht nicht aus, um den Auto- und Wirtschaftsverkehr langfristig zu ersetzen. Autos werden auch in Zukunft eine zentrale Rolle in der Mobilität spielen.

Unabhängig von diesen allgemeinen Überlegungen spielt der Weiterbau eine wichtige Rolle bei der Anbindung des florierenden Berliner Südostens. Adlershof, Grünheide, der BER und sein Umfeld müssen erreichbar sein – sowohl für pendelnde Arbeitnehmer:innen als auch für den Wirtschaftsverkehr. Insofern ist es wohlfeil, den Ausbau als rückwärtsgewandte Verkehrsplanung zu betrachten, als ein Überbleibsel der autogerechten Stadt.  

Hinzu kommt: Sich durch die Stadt kämpfende Autokolonnen werden auf die Autobahn gelenkt, entlasten die Wohnstraßen Berlins und erhöhen die Verkehrssicherheit für Fußgänger:innen und Radfahrer:innen. Flüsterasphalt und Lärmschutzwände reduzieren den Verkehrslärm deutlich im Vergleich zu innerstädtischem Verkehr. Fließender Autobahnverkehr anstatt Stop and Go in der Innenstadt reduziert außerdem CO2-Emissionen und schont die Umwelt.

Mehr als die Hälfte der Berliner bewertet einen A100- Ausbau laut einer repräsentativen Umfrage positiv. Die Landesregierung sollte Ihren Widerstand also beenden und den komplett vom Bund finanzierten Ausbau endlich unterstützen und voranbringen.
 

Contra:

Von Michael Knoll

Seit 1958 wird die A100 gebaut. Gestartet war man bei der Ausfahrt Kurfürstendamm, gekommen ist man bisher bis zur Grenzallee. Der aktuelle Bauabschnitt ist 3200 Meter lang und kostet etwa 650 Millionen Euro, sofern die letzten Schätzungen noch stimmen. Ein stolzer Preis für eine innerstädtische Mobilitätsform, die nicht kompatibel ist mit Zeiten des Klimawandels.  

Nun soll die A100 weitergebaut werden bis zum Ostkreuz. Die Kosten für diesen Abschnitt wurden 1999 auf 286,3 Millionen Euro geschätzt. Die letzte aktualisierte Schätzung aus dem Jahre 2013 errechnete Kosten von 531,2 Millionen Euro. Wenn man diese Verdoppelungen der Kosten in 14-Jahresschritten weiterrechnet, sind für diese weiteren 3,2 Kilometer die Kosten von einer Milliarde Euro nicht mehr weit. Wahnsinnig viel Geld für wenig Mobilität.

Die Politik hat sich das Ziel gesteckt, die CO2-Emissionen im Verkehr bis 2030 m Vergleich zu 1990 zu halbieren. Jüngst hat der vom Bund eingesetzte „Expertenrat für Klimafragen“ die bisherigen Maßnahmen zum CO2-Sparen im Verkehrssektor für völlig unzureichend eingeschätzt. Die Mobilität der Zukunft braucht keine überteuerten Großprojekte wie die A 100, sondern ökologische Verkehrsmittel für die Mehrheit der Menschen in Berlin. Darin sollte der Bund und das Land investieren und den Ausbau der Mobilität der Zukunft beschleunigen.