7 Milliarden Tabletten

VBKI-Unterwegs zu Besuch bei BERLIN-CHEMIE am Standort Adlershof

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Foto: Businessfotografie Inga Haar

7 Milliarden Tabletten, medizinische Säfte und Zäpfchen pro Jahr – die BERLIN-CHEMIE AG zählt zu den großen Pharmabetrieben am Gesundheitsstandort Berlin - wir hatten Gelegenheit in Adlershof einen Blick hinter die Kulissen des Pharmaunternehmens zu werfen.


Mitglied des Vorstands Dr. Christian Matschke gab uns zu Beginn des Rundgangs einen Einblick in die bewegte Geschichte des Berliner Traditionsunternehmens BERLIN-CHEMIE AG – von der Gründung im Jahr 1890 über die Übernahme durch Schering in den 1920er Jahren. Kurz nach der Wende erlebte das Unternehmen in Deutschland eine besonders schwierige Phase in seiner Geschichte. Die Belegschaft schrumpfte von ehemals 6000 auf nur noch 1.000 Mitarbeiter. Einen positiven Wendepunkt stellte der Entschluss des größten italienischen Pharmaunternehmens dar, der Menarini-Gruppe, BERLIN-CHEMIE zu übernehmen, um den deutschen und osteuropäischen Markt zu erschließen. Das war im Jahr 1992, seither wird der traditionsreiche Pharmaproduzent als Teil der Menarini-Gruppe als Familienunternehmen geführt.
 
Heute produziert die mehr als 5.000 Mitarbeiter rund 7 Milliarden Tabletten, medizinische Säfte und Zäpfchen pro Jahr. Das international ausgerichtete Unternehmen liefert Medikamente in die ganze Welt und unterhält in mehr als 25 Ländern eigene Tochtergesellschaften. Besonders stark ist die Präsenz in Osteuropa und Zentralasien, fast 70 Prozent der Produktion gehen in diese Region.
 
Als großer Player der Berliner Gesundheitsbranche kam BERLIN-CHEMIE auch in der Corona-Krise besondere Verantwortung zu: Im Dezember 2020 wendete sich die Senatsverwaltung für Gesundheit mit der Bitte um Einrichtung eines Impfzentrums an BERLIN-CHEMIE. In kürzester Zeit baute das Unternehmen das „Impfzentrum in der Arena“ in Treptow-Köpenick mit auf und sicherte den fortlaufenden Betrieb. Ein großer Erfolg, so Dr. Matschke, und ein Beweis für die Entschlossenheit und den Zusammenhalt der Berlinerinnen und Berliner.
 
Wie geht es in Sachen Pandemie weiter? Eine Prognose sei derzeit schwierig. Klar sei aber, dass das Virus stark auf dem Wirtschaftsstandort laste. Zumal die Corona-Krise nicht die einzige Herausforderung sei: der Klimawandel und die Umstellung auf regenerative Energiequellen, der demografische Wandel und der Fachkräftemangel, der digitale Wandel – hinter all diesen Megatrends verberge sich enormer Investitionsbedarf, den auch die im internationalen Wettbewerb stehende BERLIN-CHEMIE deutlich spüre. Dennoch werde man dem Standort Berlin als einer der letzten großen Pharmahersteller treu bleiben.
 
Angesichts der großen Herausforderungen rief Dr. Matschke alle Vertreter der Berliner Wirtschaft – Verbände, etablierte Unternehmen, Start-ups – dazu auf, näher zusammenzurücken. Der Fachkräfte- und Nachwuchsmangel, der Mangel an bezahlbarem Wohnraum, die generelle Inflation und massive Kostensteigerung für Rohstoffe sowie für Gas/Energie als Folge der Energiewende und der digitale Wandel seien allesamt Themen, mit denen sich die gesamte Wirtschaft auseinandersetzen müsse.
 
Bei der anschließenden Führung über das Betriebsgelände hatten die Teilnehmer die seltene Gelegenheit zu einem Blick hinter die Kulissen eines der größten Pharmaunternehmens der Stadt.