30 Jahre Mauerfall

Vier Außenperspektiven

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Foto: Rainer Christian Kurzeder

Vier Auslandskorrespondenten aus der Schweiz, Polen, Italien und Frankreich diskutierten im VBKI die Ereignisse des 9. Novembers 1989 sowie das Deutschlandbild von damals und heute. Dr. Christoph von Marschall moderierte die Veranstaltung.

Die vier Panelisten, René Höltschi (Neuer Züricher Zeitung), Jacek Lepiarz (Deutsche Welle-Polen), Tonia Mastrobuoni (La Repubblica, Italien), Pascal Thibaut (Radio France Internationale) und Dr. Christoph von Marschall eröffneten den Abend mit persönlichen Erinnerungen an den 9. November 1989 und der damaligen Stimmung gegenüber West- und Ostdeutschland an ihren jeweiligen Standorten.
 
Während es in Polen (trotz des Regierungswechsels im September 89) und Italien noch starke kommunistische Strömungen gab, die mit der DDR sympathisierten, dominierten in Frankreich und der Schweiz positive Emotionen gegenüber dem (mitunter nicht für möglich gehaltenen) Mauerfall. Die Angst vor dem neuen deutschen „Riesen“ und einer misslungenen Wiedervereinigung wich bald der Erleichterung darüber, dass „es dann doch gut zu gehen schien“, so Höltschi.
 
Im weiteren Gespräch waren sich alle einig, dass Deutschland heute bei seinen Nachbarländern ein sehr ambivalentes Image hat. Herr Thibaut sprach von der französischen Hassliebe, der Bewunderung für die deutschen Errungenschaften und die Person Merkels, gepaart mit einer gewissen Schadenfreude, wenn „beim Nachbarn mal etwas nicht so gut funktioniert“. Frau Mastrobuoni ergänzte, dass Deutschland in Italien zwar prinzipiell als wichtiger Partner gesehen wird, dass sich das Land jedoch in den Punkten Flüchtlingskriese und Austerität durchaus von Deutschland alleingelassen fühlt.
 
Anders verhält es sich nur in Polen, aus dem Herr Lepiarz zunächst von einem durchweg positiven Deutschlandbild zu berichten wusste. Dies änderte sich allerdings schlagartig mit dem Jahreswechsel 2015/16, als es in der Silvesternacht in Köln zu sexuellen Übergriffen auf Frauen kam. Dieses Ereignis hätte zu einem massiven Prestigeverlust bei unserem östlichen Nachbarn geführt, so Lepiarz. Nichts desto trotz wird Deutschland nach wie vor für seine wirtschaftliche Leistungskraft bewundert.
 
Zum Abschluss durften die Korrespondenten sich etwas für beziehungsweise von Deutschland wünschen. Herr Höltschi, der 19 Jahre lang in Brüssel gearbeitet hat, begann mit dem Wunsch nach mehr Aktivität auf der europäischen Bühne und hatte dann mit Herrn Jacek noch den Wunsch nach mehr Digitalisierung und Entbürokratisierung der Verwaltungen gemein. Letzterer wünschte sich mehr Gelassenheit von seinen deutschen Mitbürgern und kritisierte den fehlenden Humor, ein Problem, mit dem auch Frau Mastrobuoni (vor allem hier in Berlin) schon ihre Erfahrungen gemacht hat. Sie wünschte sich zusätzlich, dass die Deutschen doch etwas entspannter werden mögen. Zum Schluss kam Herr Pascal zu Wort. Er sprach ebenfalls von den starren Verwaltungsstrukturen und wünschte sich von den deutschen Politikern für die Zukunft mehr Visionen, mehr Phantasie und Mut sowie eine bessere Kommunikationsstrategie gegenüber den Bürgern.
 
Bilder des Abends finden Sie hier >>>>.