„Die Stadt war nicht schön, sie war hässlich, aber spannend.“

Auftaktveranstaltung der Berlin2037-Reihe mit Ideen für ein lebenswertes Berlin von morgen

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Foto: VBKI

Mit einem Blick in die Vergangenheit und einem Blick in die Zukunft eröffnete der VBKI seine Berlin2037-Reihe mit Vorträgen zur Zukunft des Verkehrs, des Handels und noch viel mehr.

Dr. Paul Spies, Direktor des Stadtmuseums Berlin und der Dokumentarfilmer Jan Kerhart berichteten über die Rolle des VBKI in Berlin – von der Gründung von 1879 über die Gewerbeausstellung von vor 126 Jahren hin zu einem Berlin2037, dem 800. Geburtstag der Hauptstadt.
 
In einem kurzen historischen Abriss berichtete Dr. Paul Spies über das explosionsartige Wachstum der Stadt Berlin zur Zeit der Gründung des VBKIs 1879. Innerhalb weniger Jahre stieg die Einwohnerzahl um 200% auf etwa 800.000. Die Wohnungsnot war groß, so dass immer mehr Mietskasernen und die bis heute für Berlin typischen Hinterhöfe entstanden. Schon zu dieser Zeit wurde die Ringbahn gebaut, um immer weiter außerhalb lebender Menschen mit dem Zentrum zu verbinden. Gleichzeitig stiegen die Steuereinnahmen um etwa 500%. Sichtbarstes Zeichen des neuen Selbstbewusstseins der Bürgerschaft wurde das 1871 fertiggestelltes Rote Rathaus in direkter Nähe zum Berliner Stadtschloss. Ganz bewusst überragte der Rathausturm die Höhe des Schlosses.
 
Mit der Ausrufung des Kaiserreichs wurde Berlin Hauptstadt. Ministerien und 1882 das preußische Abgeordnetenhaus entstanden, genauso wie Parks, Gasometer zur Beleuchtung von Straßen und Häusern, das erste Städtische Krankenhaus, und unterirdische Kanäle sowie die Berliner Stadtreinigung zur Verbesserung der Hygiene. Doch, wie Dr. Paul Spies sagte, „Die Stadt war nicht schön, sie war hässlich, aber spannend.“ 1896, mit der vom Verein Berliner Kaufleute und Industrieller gegen den Willen des Kaisers organisierten Gewerbeausstellung, wandelte sich Berlin endgültig von einer europäischen Provinzstadt zur Weltstadt.
 
Bis heute lebt Berlin in diesem Zwiespalt von Provinz- und Weltstadt. Das Provinzielle, so Jan Kerhart, merke man unter anderem daran, dass in Berlin alles „sehr zäh und langsam“ voran ginge. Dies sei sehr schade, denn Berlin biete im Gegensatz zu mittelalterlichen Städten viel mehr Platz und damit Potential für eine an zukünftige Bedürfnisse und den Klimawandel angepasste Stadt.
 
Um den Berliner und Berlinerinnen eine „Art Entscheidungshilfe“ zu geben, wie sie ihre Stadt in der Zukunft gestalten wollen, plant er eine virtual reality-Radtour durch Berliner Zukunftsorte: dem Hallischen Ufer, der Frankfurter Allee und der Siemensstadt. Die zu erlebenden Entwürfe sind in Zusammenarbeit mit Experten unterschiedlichster Disziplinen entstanden und sollen eine mutige, aber sofort realisierbare Vision der Stadt präsentieren. Kerhart denkt dabei nicht nur an Berlin. Die Visionen und Modelle sollen auch anderen Städten als eine Art Blaupause für den Umbau ihrer jeweiligen Stadt dienen, denn zu viele Autos, zu wenig Platz für Fußgänger oder zu wenig Grünflächen gebe es in Städten weltweit. Die Virtual Reality Ausstellung soll Ende 2022 öffnen. Darüber hinaus ist ein Film über die Transformation der Stadt geplant.
 
Die nächste Veranstaltung der Berlin2037-Reihe wird am 4. Mai 2022 stattfinden und die Zukunft der Mobilität zum Thema haben.