„Auf das Verbindende konzentrieren“

Vor dem Brexit: Robbie Bulloch, stellv. Britischer Botschafter, beim VBKI

20200128 FPL Brexit?itok=qRvEMq07
Foto: Businessfotografie Inga Haar

Kurz vor dem EU-Austritt Großbritanniens hat der VBKI gemeinsam mit Robbie Bulloch von der britischen Botschaft einen Blick auf die Frage geworfen, wie es im Verhältnis zwischen EU und UK nach dem Brexit weitergeht.

Der Stellvertretende Botschafter Großbritanniens in Berlin unterstrich zunächst, dass die Parlamentswahlen im Dezember 2019 das Ergebnis des Referendums vom 23. Juni 2016 bestätigten. Mit der Abstimmung über das Brexit-Gesetz in beiden Kammern des britischen Parlaments sei nun auch die rechtliche Grundlage gelegt, ordnungsgemäß die EU zum 31. Januar zu verlassen. Damit sei keine neue Phase des Brexits eingeläutet, sondern die Phase eines neuen Verhältnisses zwischen UK und EU. Europa und Großbritannien werden auch in Zukunft enge Partner bleiben, als größter Handelspartner Deutschlands, als gemeinsame Sicherheitspartner in der NATO, als europäische Nation mit einem gemeinsamen Verständnis von Werten und den gleichen Interessen bei den Zukunftsthemen Klima, Wirtschaft, Sicherheit, Kultur und Wissenschaft. Und so beendete Robbie Bulloch seine einführenden Äußerungen mit dem Appell, sich auf das zu konzentrieren, was uns eint!
 
 
Die anschließende Diskussion wurde kritisch nachgefragt, ob in wirtschaftlichen Fragen Großbritannien wirklich auf Augenhöhe mit den USA oder China sei, schließlich seien dies Märkte einmal mit fast einer halben Milliarde Menschen, das andere Mal mit deutlich über einer Milliarde Menschen. Könne hier Großbritannien mit seinen 66 Millionen Einwohnern wirklich als gleichberechtigter Markt mithalten? Und schließlich: Ist ein Freihandelsabkommen bis Ende des Jahres tatsächlich zu bewerkstelligen oder kommt ein harter Brexit am Ende doch?
 
Ebenso kritisch wurde die Frage gestellt, ob das Vereinigte Königreich vereinigt bleibt oder ob die sozialen und politischen Fliehkräfte Großbritannien in die Teile England, Schottland, Wales und Nordirland zerfallen lässt.
 
Bedauernd fragte ein anderer Gast, wie sich zukünftig das bilaterale Verhältnis zwischen den britischen Inseln und den Ländern auf dem Kontinent gestaltet werden kann. „Wo werden wir gemeinsam denken? Wo uns gemeinsam austauschen? Wo eine gemeinsame Sprache entwickeln?“ In diesen Äußerungen spürte man, dass neben allen politischen und wirtschaftlichen Problemen die der Kontakt zwischen den Menschen dies- und jenseits des Ärmelkanals wohl der größte Verlust sein wird.
Unfreiwillig humorvoll ging das Lunch zu Ende. Auf die Frage, was ein normaler Engländer vom Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU habe, antwortete Bulloch: „Eine gute Frage.“