Ernsthaftes Problem oder Neid-Debatte?

Podiumsdiskussion zur Kontroverse um hohe Managervergütung

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Foto: Businessfotografie Inga Haar

Sind Managergehälter, die das eines einfachen Angestellten um das zigfache übersteigen, noch vertretbar? Solche gesellschaftlichen Ungleichheiten bleiben nicht ohne ökonomische Folgewirkung. Doch der Staat, so das einstimmige Credo des Podiums, sollte sich hier nicht einmischen. Vielmehr sollte ehrbares Wirtschaftshandeln wieder ein größeres normatives Gewicht bekommen.

„Wie hoch ist die Vergütung? Und wie steht´s um die Haftungsrisiken?“ – zwei Fragen, die potenzielle Kandidaten regelmäßig gleich am Anfang stellen, wenn es um die Besetzung von Aufsichtsratsposten geht, so berichtet Dr. Brigitte Lammers, Partnerin bei Egon Zehnder. Gier gepaart mit der Angst, in einer Krise schnell wieder weg vom Fenster zu sein, treibe die Preise im Top-Management in die Höhe, erklärt die Headhunterin. Bei der Kontroverse um die teils exzessiven Vorstandsvergütungen spiele Neid immer eine Rolle, so Prof. Dr. Steffen Mau, Ungleichheitsforscher an der Humboldt-Universität zu Berlin. Die Ungleichverteilung von Wohlstand beschädige nicht nur die Unternehmenskultur sondern sei auch aus ökonomischer Sicht höchst dysfunktional. Stagnierende Mittelschichtseinkommen führten zu einer zunehmenden Verschuldung – auf lange Sicht funktioniere das nicht.

Dennoch, darüber sind sich alle Podiumsteilnehmer einig, ist eine staatliche Regulierung nur das letzte Mittel der Wahl. Erst wenn der Selbstregulierungsprozess tatsächlich nicht greift, muss über gesetzgeberische Maßnahmen nachgedacht werden. Dr. Manfred Gentz, ehem. Vorsitzender des Deutschen Corporate Governance Kodex, appellierte dafür, die Figur des ehrbaren Kaufmanns wieder zu stärken. Es brauche, so Gentz, im Aufsichtsrat eine starke, integre Person mit Vorbildcharakter - auch weil diese Ehrbarkeit nicht justiziabel sei.

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