Arzt aus dem Äther

Wie ein Berliner Unternehmen medizinischen Sachverstand digitalisiert

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Foto: Businessfotografie Inga Haar

Sind Arztbesuche bald von gestern? Obsolet wird der Gang in die Praxis wohl kaum. Aber: Wer eine erste Diagnose braucht, kann nun auch im Netz fündig werden – und zwar nicht nur durch hektisches Googlen nach Krankheitsbildern. Das Berliner Unternehmen Medlanes betreibt ein Portal, mit dessen Hilfe man sich online an Fachärzte wenden kann.

Nach der Begrüßung durch Dr. Matthias Schatz, Director/Prokurist Beratung Gesundheitswirtschaft KPMG, erläuterte Dr. Emil Kendziorra, Gründer und Geschäftsführer der Medlanes GmbH, seine Geschäftsidee: Ausgangspunkt, so der Arzt beim VBKI Unternehmertreffen im „le petit felix“, war die Feststellung, dass es rund um den Globus in Sachen medizinischer Versorgung noch viele weiße Flecken gibt. Deutschland sei mit seiner flächendeckenden und unabhängig vom Geldbeutel geregelten Gesundheitsversorgung eher die Ausnahme als die Regel. Schon ein Blick in die USA zeige, dass der Online-Zugang zu medizinischem Expertenwissen eine sinnvolle Ergänzung zum Standard sein kann – zumindest mit Blick auf eine diagnostische Ersteinschätzung.

Diagnosen – unabhängig von Zeit und Ort

Die Bereitstellung einer verlässlichen Erstdiagnose unabhängig von Zeit und Ort ist das Kerngeschäft von Medlanes. Grundlage ist ein gemeinsam mit Ärzten entwickelter Online-Fragenkatalog, der – vergleichbar mit der Anamnese bei Arztbesuch – erste diagnostische Anhaltspunkte geben soll. Per Mausklick wird der Fragebogen an einen Pool von mehreren hundert Ärzten weitergeleitet. Im Ergebnis erhält der Patient eine medizinische Ersteinschätzung – oder die Empfehlung, doch lieber eine Arztpraxis aufzusuchen. Auch im „normalen“ medizinischen Betrieb kann bereits die Hälfte aller Diagnosen nach dem Patientengespräch – also ohne körperliche Untersuchungen – gestellt werden.

Je schneller, desto teurer

Das Geschäftsmodell ist relativ simpel: Die Patienten bezahlen direkt für die Dienstleistung, entscheidend für die Höhe des Entgelts ist der Faktor Zeit: Je dringlicher das Anliegen, desto teurer. Der Basispreis liegt Dr. Kendziorra zufolge bei 9 Euro, wenn er innerhalb von Minuten eine Antwort benötigt, muss der Kunde bis zu 50 Euro bezahlen. Offenbar wird das Angebot angenommen: Der Unternehmensgründer berichtet von mehreren tausend Online-Konsultationen in den Zielländern – insbesondere den USA und Deutschland. Auf der To-Do-Liste von Medlanes: Expansion nach England und Polen sowie eine Zusammenarbeit mit den Krankenversicherungen. Das lässt aufhorchen: Das Unternehmen ist Alumni des  Microsoft Ventures Accelerator Programmes, Gewinner mehrerer Innovation Grants und wird von der Bayer AG sowie führenden Risikokapitalgebern unterstützt.

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