Eine blinde Vorleserin

Nachbericht über eine Vorlesestunde der besonderen Art

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Foto: VBKI

Impressionen vom bundesweiten Vorlesetag am Freitag, 15. November 2013, an der Reginhard Grundschule (Berlin-Reinickendorf) - Ein Bericht von Angelika Schmidt und Monika Orth (Koordinatoren an der Reginhard GS)

Nicht alle Klassen an der Reginhard Grundschule haben ein- bis zweimal pro Woche die Möglichkeit, mit einem Lesepaten Zeit zu verbringen. Daher nimmt die Schule schon seit mehreren Jahren am bundesweiten Vorlesetag der Stiftung Lesen teil, damit auch die Klassen, die keinen Lesepaten haben, an diesem Tag in den Genuss kommen.

Jedes Jahr ist die Vorfreude bei den Kindern groß. Dieses Jahr konnte die Schule eine ganz besondere Vorleserin gewinnen können: Frau Dinges, eine blinde und schwerhörige junge Frau, die sich bereiterklärt hatte, an diesem Tag einer Lerngruppe (Klassen 1-3) eine Stunde lang "vorzulesen". Für die Kinder war das ein sehr spannendes Erlebnis: Alle bekamen von Frau Dinges zunächst ein so genanntes Blindenalphabet, mit dem sie ihr ihren Namen mitteilen konnten. Im Anschluss las Frau Dinges den Kindern mit ihrem Blindenschrift-Computer eine Geschichte vor. Besonders beeindruckend: Die junge Frau schreibt die Geschichten, die sie vorliest, selbst, und konnte damit schon vielen Kindern eine Freude bereiten.

Nach dem Vorlesen durften die Kinder Frau Dinges Fragen stellen, sowohl zu der Geschichte als auch persönliche Fragen. So interessierte die Kinder natürlich ganz besonders, wie man als blinder Mensch das Leben und den Alltag bewältigt. Durch diese ganz persönliche Begegnung konnte die Gruppe einen Eindruck gewinnen, wie wichtig das Lesen ist und wie man auch als blinder Mensch "lesen" kann. Die Kinder durften anschließend selbst Wörter in den Computer eingeben, die Frau Dinges dann mit Hilfe ihres Computers "vorlas".

 

Ein Bericht von Angelika Schmidt und Monika Orth (Koordinatoren an der Reginhard GS)