„Ich bin gerne Bundesgesundheitsminister“

Business Breakfast: Hermann Gröhe zu Gast beim VBKI

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Foto: Michael Setzpfandt

Der Umgang mit widerstreitenden Interessen gehört zum politischen Alltag. Doch es gibt Schattierungen: In kaum einem Ressort ist der nächste Krach derart vorhersehbar wie im Gesundheitsressort. Unter Harmoniebedürftigkeit dürfte Hermann Gröhe deshalb nicht leiden, wenn er sagt: „Ich bin gerne Bundesgesundheitsminister.“

Nach der Begrüßung durch VBKI-Geschäftsführer Udo Marin und der thematischen Einführung durch Berlins Gesundheitssenator Mario Czaja gibt Gröhe vor 130 Mitgliedern und Freunden des VBKI einen umfassenden Überblick über die aktuelle Agenda seines Ressorts und die kommenden Gesetzesvorhaben. Gesundheitsversorgung, Gesundheitswirtschaft und Pflege – der Minister vermittelte Einblicke in alle Bereiche.

Die Liste des Herausforderungen ist lang: Wie lässt sich eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung unabhängig vom Geldbeutel und Wohnort der Patienten sicherstellen? Wie lässt sich angesichts des demografischen Wandels und steigender Medizinkosten das Solidaritätsversprechen, auf dem die Finanzierung des Gesundheitswesens beruht, in die Zukunft fortschreiben? Wie lassen sich der der steigende Bedarf an Fachkräften in einem Sektor sichern, der bereits heute über 5 Millionen Menschen beschäftigt?

Mehr Arbeitsteilung zwischen Krankenhäusern

Auch Hermann Gröhe zieht bei seinem Besuch im VBKI kein Patenrezept aus der Tasche, auch die politische Linie der jetzigen Regierung bewegt sich zwischen Kostensenkungen auf der einen und höheren Einnahmen auf der anderen Seite. Dem Kostenfaktor „Krankenhaus“ beispielsweise will Gröhe mit Effizienzsteigerungen begegnen. Die geplante Reform strebt eine bessere Arbeitsteilung zwischen den einzelnen Playern ab, das Motto lautet: Nicht jeder muss alles können.

Großes Potenzial sieht Gröhe auch in digitalen Technologien. Die Telemedizin könnte beispielsweise dazu beitragen, die flächendeckende Gesundheitsversorgung sicherzustellen und ebenfalls helfen, Kosten zu senken. Auch die Möglichkeiten der Gesundheitskarte der gesetzlich Versicherten will Gröhe besser nutzen als bisher: Auf der Karte sollen künftig beispielsweise Medikamentenpläne oder Notfalldaten speichern – und dem Notarzt beispielsweise bei Unfällen schnell Auskunft geben.

Beitragserhöhung in der Pflege

Dem Ausbau der Pflegeleistungen in Größenordnung von 5 Milliarden Euro pro Jahr steht eine Erhöhung des Beitragssatzes gegenüber. Werden die Versicherten auf die Barrikaden gehen? Gröhe bleibt gelassen und glaubt an die Einsichtsfähigkeit der Wähler: „Die Beitragserhöhung wird in der Bevölkerung ohne Klagen akzeptiert“.

Unter dem Strich sieht der Bundesminister das deutsche Gesundheitswesen trotz aller Herausforderungen gut gewappnet. Ein Indiz für die Leistungsfähigkeit ist für Gröhe der Vergleich mit den USA, die 16 Prozent ihres BIPs für Gesundheit ausgeben, „und es zumindest bislang nicht schaffen, das untere Bevölkerungsdrittel zu versorgen.“ Deutschland wende derzeit nur 11 Prozent seines BIPs für die Gesundheit auf - bei gleichzeitig breiterer Versorgung. Kurzum: „Wer, wenn nicht wir, sollte es schaffen, die anstehenden Herausforderungen in den Griff zu kriegen“, so Gröhe.

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