Der koschere Inspektor

Members Lounge mit Rabbiner-Assistent Golzman

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Foto: Businessfotografie Inga Haar

Die letzte VBKI Members Lounge in 2016 fand im 14. Stock des Hotel InterContinental Berlin statt. In der Bar Hugos hat man einen wunderbaren Blick über das abendliche Berlin.

Als besonderen Impuls gab der „Maschgiach“ Leonid Golzmann, Rabbiner-Assistent der Jüdischen Gemeinde in Berlin, der sich selbst gern „der koschere Inspektor“ nennt, Einblicke in das kulturelle und religiöse Leben orthodoxer Juden. Zu seinen Aufgaben gehört insbesondere die Kontrolle der koscheren (hebräisches Wort für „korrekt“) Ausrichtung von jüdischen festen wie Hochzeiten und Beschneidungen. Und auch dort spielen, ebenso wie im Alltag orthodoxer Juden, die koscheren Regeln und Traditionen eine große Rolle. Familienfeste machen die jüdische Kultur aus, so Golzmann, und es gehöre viel Bewusstsein und Zeit dazu, den seit Jahrtausenden überlieferten Regeln nachzukommen. Wein und Essen müssen koscher sein, was bedeutet, dass Fleisch und Milch nicht zusammen gekocht, gegessen oder verkauft werden dürfen, denn es wurde überliefert: „Du sollst das Böcklein nicht in der Milch seiner Mutter kochen“. Milch gebe dem Kalb „Leben“ und egal wie, aber Leben und Tod dürfen keinesfalls zusammengebracht werden. Auch Schwein darf keines gegessen werden.

Juden, die sich als gesetzestreu bekennen, halten sich hinsichtlich der Konsumierung von Nahrungsmitteln an die in der Thora festgelegten Vorschriften. Hierzu zählt zum Beispiel die strenge Untersagung vom Verzehr von Blut. Außerdem ist es untersagt Milch bzw. Milchprodukte gleichzeitig mit Fleischgerichten zu verzehren. Dieses Verbot erstreckt sich bis zur Vorschrift der absoluten Trennung von Küchengeräten wie z.B. Geschirr, Besteck und Aufbewahrungsorte, was man als koscher bezeichnet. So auch zur koscheren Members Lounge: Alle verkosteten Gerichte und Weine sind nach koscheren Vorgaben zusammengestellt. Das stellt die Küche eines großen Hotels wie das InterConti vor enorme organisatorische Herausforderungen, aber aufgrund langjähriger Erfahrungen des Küchen- und Service-Teams mit Feiern der jüdischen Gemeinde, Tagungen des Zentralrates der Juden in Deutschland oder dem World Jewish Congress ist man sehr gut darauf vorbereitet.

Auch der Wein, so erklärt Golzmann, der an diesem Abend ausgeschenkt wird, ist koscher, was bedeutet: er muss von Juden angebaut und weiter verarbeitet werden, der Winzer muss gläubiger Jude sein. Natürlich gebe es auch „Tricks“ wie beispielsweise das Abkochen von Wein, damit er koscher wird, und andere Lösungen, um das koschere Leben im Alltag zu vereinfachen. Wirklich streng nach den koscheren Regeln lebten nur rund 500 der insgesamt an die 3000 jüdischen Gemeindemitglieder in Berlin.

Dennoch wird den Zuhörern beim Vortrag klar: So unterhaltsam und humorvoll der Maschgiach diese Traditionen erklärt, so wichtig und unabwendbar sind diese zugleich. Hinterfragt wird da nichts, zumindest nicht in diesem Rahmen und trotz kritischer Fragen. Abschließend gibt er den Gästen noch ein Sprichwort auf den Weg: „Gute Gewohnheiten machen gute Eigenschaften“ – deshalb lohne es sich, diese Traditionen beizubehalten und zu bewahren.

Hier können Sie sich ein Bild vom koscheren Abend machen...